Jens Dötsch erfüllt "Mission Málaga"

Am 1.9. startete der Flug FR8804 von Köln mit dem Ziel Málaga. Im Gepäck ziemlich viele Schuhe und vor allem viel Vorfreude auf den Zehnkampf bei den Seniorenweltmeisterschaften an der Costa del Sol. Nachdem das Apartment gefunden und die Koffer ausgepackt waren, machte ich mich auf den Weg zum Hauptstadion, um meine Akkreditierung und die Startunterlagen abzuholen. Leider war das Orgateam mit der Anwesenheit von ca. 500 Athleten sichtlich überfordert. Dennoch konnte ich nach knapp zwei Stunden meine Unterlagen in den Händen halten. Anschließend nutze ich die Zeit, um einen kleinen Stadtrundgang zu machen, um dabei auch den Weg zum Stadion (Carranque) zu erkunden in dem mein Zehnkampf am Dienstag und Mittwoch stattfinden sollte.

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Insgesamt nehmen an diesen Weltmeisterschaften der Senioren mehr als 8000 Sportlerinnen und Sportler aus mehr als 100 Ländern teil. 

Beim Zehnkampf in meiner Altersklasse waren neben mir 31 weitere Athleten gemeldet. Darunter auch zwei weitere deutsche Starter. Doch bevor die Wettkämpfe begannen erfolgte am Montag, den 3.9. eine kurze Teambesprechung und Begrüßung durch die Offiziellen des Deutschen Leichtathletik Verbandes und am Abend die Eröffnungsfeier, bei der ich die kleine Delegation des DLVs beim Einlauf der Nationen vertreten durfte. 

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Dienstag, 4. September - Zehnkampf M40 im Estadio Carranque

1. Disziplin - 100m:
Ich war im ersten Lauf auf Bahn 4 eingeteilt. Die Spannung stieg, doch leider versagte eine Box der elektronischen Startschussanlage. Aber es blieb ja noch eine Box übrig, die jedoch etwas weiter weg von den Startblöcken stand als die defekte. Trotzdem konnte der Lauf jetzt nach 10 Minuten Verspätung gestartet werden. Trotz zwei Meter Gegenwind in meinem Lauf blieb die Uhr bei 13,38s stehen - Punktlandung aufgrund der angepeilten 13,40 und mit Saisonbestleistung ein sehr guter Start in den Zehnkampf.

2. Disziplin - Weitsprung:
Bereits beim Einspringen merkte ich, dass es heute weit gehen kann. Trotzdem wollte ich den ersten Versuch sicher in die Grube setzen. Das dabei bereits 5,25m gemessen wurden überraschte mich dann doch. Im zweiten Versuch erwischte ich das Brett ein wenig besser, was eine Steigerung auf 5,31m brachte. Im dritten Versuch wollte ich nochmal volles Risiko gehen. Doch bereits auf den letzten drei Schritten merkte ich, dass ich deutlich übertreten würde. Also versuchte ich erst gar nicht abzuspringen. Trotzdem die zweite Saisonbestleistung in der zweiten Disziplin.

3. Disziplin - Kugelstoßen:
Mit dem Ziel über 9 Meter zu stoßen ging ich diese Disziplin an.  9,14m im ersten Versuch erleichterten mich, da ich im letzten Testwettkampf vor Málaga nur 8,64m gestoßen hatte. Im zweiten Versuch wollte ich zu viel und vernachlässigte die Technik, so dass zwar mit 9,08m ein ordentliches Ergebnis jedoch keine Verbesserung auf der Ergebnisliste eingetragen werden konnte. Im letzten Versuch passte es wieder und mit einer Steigerung um 3 Zentimeter konnte ich das Gesamtpunktekonto auf 1537 schrauben. 

4. Disziplin - Hochsprung:
Obwohl ich beim Einspringen 1,30m und auch 1,35m locker übersprungen hatte wählte ich 1,27m als Anfangshöhe. Ein Fehler, was sich im weiteren Verlauf des Zehnkampfs herausstellen sollte. Bis 1,42m schaffte ich alle Höhen im ersten Versuch, dennoch machten sich die bereits absolvierten Sprünge in meinem linken Knie bemerkbar. Im zweiten Versuch schaffte ich dann trotz Schmerzen die angepeilte Höhe von 1,42m. Sichtlich erleichtert konnte ich ohne Druck die nächste Sprunghöhe von 1,45m im ersten Versuch überspringen. Leider wurden die Schmerzen im Knie stärker, so dass die Latte bei 1,48m in allen drei Versuche deutlich gerissen wurde. Mit insgesamt 11 Sprüngen absolvierte ich die meisten Versuche in meiner Gruppe. In Zukunft muss hier ein bisschen mehr gepokert werden, um Kräfte zu sparen.

5. Disziplin - 400m:
Auf diese Disziplin hatte ich mich wirklich gefreut, weil danach der erste Teil des Zehnkampfs vorbei ist. Mit Bahn 2 erwischte ich eine schlechte Position in meinem Lauf. Zudem waren auf Bahn 3 und 4 zwei Spanier, die den Lauf extrem langsam begannen. Leider orientierte ich mich an den beiden und bin deshalb zu langsam angegangen. Erst bei 200m merkte ich, dass ich den Lauf hätte deutlich schneller angehen können. Überraschenderweise blieb die Uhr doch bei ordentlichen 63,24s stehen. Mit 2383 Punkten beendete ich den ersten Tag als 6. in Gruppe B und insgesamt als 19. Mit 4 Saisonbestleistungen kann man von einem gelungenen ersten Tag sprechen.

In Gruppe A starteten übrigens die Zehnkämpfer, die laut Meldeleistung die höchsten Punktzahlen vorweisen konnten. 

Die wichtigste „Disziplin“ des ersten Tages ist die Regeneration. Hierzu nutze ich das Angebot der Physiotherapeuten vor Ort und ging, in der Hoffnung am nächsten Morgen nicht mit schweren Beinen aufzuwachen, relativ früh ins Bett. 

Dass ich am nächsten Morgen mit relativ frischen Beinen aufgewacht bin überraschte mich doch ein wenig. Lediglich das Knie schmerzte noch ein wenig. Tape und Salbe sollten jedoch zumindest im Kopf den Schmerz unterdrücken. Mit der passenden Musik auf den Ohren machte ich mich auf den Weg zur Metro, um pünktlich zum Stadion zu kommen. Nach Einlaufen, Dehnphase und Koordination versammelten sich die Zehnkämpfer unsere Gruppe um 10:30 Uhr im Callroom des Stadions. Hier werden Spikes und Startnummern kontrolliert und darauf geachtet, dass alle elektronischen Geräte ausgeschaltet sind. Am ersten Tag hatten wir bereits mehrere Verwarnungen wegen der Handynutzung erhalten, so dass die Kampfrichter heute etwas strenger mit unserer wirklich sympathischen Gruppe umgingen.


Über 10 Hürden, die jeweils 99cm hoch sind startete der zweite Wettkampftag.

6. Disziplin - 110m Hürden:
Sicherlich im Vorfeld meine schwächste Disziplin, da ich nicht im Dreier-, sondern im Fünferrhythmus über die Hürden laufen muss. Hauptsache durchkommen und unter 21 Sekunden bleiben. Bereits nach dem Start merkte ich, dass ich nicht der einzige bin, der den Fünferryhthmus laufen muss. Das ich in meinem Lauf mit 20,79s als 4. ins Ziel kam erfreute mich sehr. Und noch wichtiger - das Knie hält. Mit einer erneuten Saisonbestleistung ging es zur ersten Disziplin, bei der ich mir im Vorfeld viele Punkte ausgerechnet hatte.

7. Disziplin - Diskuswurf:
28,50m hatte ich mir als Ziel gesetzt. Doch bereits beim Einwerfen segelte der Diskus deutlich über 30m. Jetzt wollte ich natürlich auch im Wettkampf diese Weite erzielen. Nach einem leider etwas verkrampfter Wurf zeigte die Anzeigetafel 29,95m an. Da die Würfe zwei und drei ungültig waren, war ich trotz übertroffenem Ziel etwas enttäuscht, dass ich die Leistung aus dem Einwerfen nicht bestätigen konnte. 

8. Disziplin - Stabhochsprung:
Die von vielen Zehnkämpfern gefürchtete Disziplin, da hier sehr oft ein „salto nullo“ vorkommt. Zudem kamen die ungewohnten Stäbe, die nicht zu vergleichen waren mit denen, die ich seit 3 Wochen im Training und im abschließenden Wettkampf gesprungen bin. Da ich beim abschließenden Wettkampf am Freitag vor meiner Abreise 2,76m und im Training bereits 2,85m übersprungen hatte, setzte ich mir mit 2,65m ein machbares Ziel. Mit ordentlichen Stäben und besseren Verhältnissen wäre das auch möglich gewesen. Leider konnte ich nur meine gewählte Anfangshöhe von 2,30m überspringen. Der erste Dämpfer für mich bei der WM. Es sollte jedoch noch ein weiterer folgen. Der in unserer Gruppe führende Franzose musste übrigens die schmerzliche Erfahrung des „salto nullos“ machen, da er die von ihm gewählte Anfangshöhe nicht überspringen konnte. Demnach keine Punkte für ihn.

9. Disziplin - Speerwurf:
Meine Lieblingsdisziplin und laut Meldeleistung auch die Disziplin, in der ich eigentlich die meisten Punkte sammeln sollte. Das Einwerfen lief noch super und auch der erste Versuch landete knapp vor der 50 Meter Marke. Da ich jedoch den Anlauf nicht frühzeitig vor der Abwurflinie halten konnte, verhinderten 2cm übertretene Linie eine weitere Saisonbestleistung. Der Frust war extrem groß, was sich auch im zweiten Versuch negativ auswirken sollte. 39,80m wären zwar für alle übrigen Teilnehmer ein gutes Ergebnis, für mich bedeutete diese Weite jedoch 7 Meter unter der bislang in der Saison konstant geworfenen Weite. Der letzte Versuch brachte zwar noch eine Steigerung auf 42,03m, konnte mich jedoch nicht zufriedenstellen.

Vor dem abschließenden Lauf über 1500m lag ich in unserer Gruppe auf einem guten 5. Platz. Insgesamt sollte es demnach auch für das Ziel, ein Platz unter den Top 20, reichen. Da war jedoch noch ein weiteres Ziel - 4400 Punkte. Nach dem ersten Tag hatte ich insgeheim mit einem Ergebnis von 4600 Punkten gerechnet. Mit den angepeilten Leistungen im Stabhochsprung und Speerwurf wäre diese Punktzahl auch im Rahmen der Möglichkeiten gewesen. Aber wie sagte schon ein ziemlich bekannter Fußballtrainer „wäre, wäre, Fahrradkette“ ;)

10. Disziplin - 1500m:
3 3/4 Runden lagen vor dem für viele Athleten ersehnten Ende des Zehnkampfs. Ich freute mich auf den Lauf, da ich in der Vorbereitung relativ gute Fortschritte im Ausdauerbereich gemacht habe. Für das ursprüngliche Ziel 4400 Punkte wäre eine Zeit von 5:50min ausreichend gewesen. Da ich mir jedoch eine Zeit von 5:35 min vorgenommen hatte, wäre auch das neue Ziel, 4500 Punkte, im Rahmen der Möglichkeiten gewesen. Hierzu hätte ich eine Zeit von 5:32 gebraucht. Dementsprechend motiviert bin ich auch die ersten 300m in schnellen 58 Sekunden angegangen. Die Zwischenzeit bei 1000m zeigte 3:32 an. Das ist zu schnell, das kannst du nicht halten sagte ich mir und nahm völlig unsinnig „einen Gang raus“. Ich hatte die Befürchtung, dass ich in der letzten Runde einbrechen würde und somit auch das Ziel 4400 Punkte in Gefahr stand. 200m vor dem Ziel setzte ich gemeinsam mit dem Italiener und dem Spanier den Schlussspurt an. Doch trotz großartiger Unterstützung von der gut gefüllten Haupttribüne verfehlte ich die 5:32min um knappe 2 Sekunden. Trotzdem eine ordentliche Leistung, die in der Endabrechnung für mich erfreuliche 4488 Punkte brachte. Da Gruppe A noch zwei Disziplinen zu absolvieren hatte, mussten wir relativ lange auf das Gesamtergebnis warten. In meiner Gruppe hatte ich mich jedoch auf den 4. Platz gekämpft. 

Das Warten auf das Gesamtergebnis haben wir uns nach einer gemeinsamen Ehrenrunde bei einem, vielleicht auch mehreren Kaltgetränken verkürzt. 

Um 22:00 Uhr stand es dann fest - ich habe bei dem Weltmeisterschaften im Zehnkampf der Altersklasse M40 den 17. Platz belegt - „Mission erfüllt“

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Abschließend möchte ich mich für das Daumendrücken der Daheimgebliebenen und die Unterstützung von Seiten des SV BW 1908 Niederelbert und der Sponsoren bedanken.