Vor 70 Jahren...

26.3.1945  -  26.3.2015

Einmarsch der Amerikaner in Niederelbert

Günther Kilian - ein Niederelberter Soldat - berichtet darüber in seinen Kriegstagebüchern.

In den frühen Morgenstunden des 25. März 1945 standen rechts des Rheins im Brückenkopf Remagen mehr als zehntausend US-Soldaten bereit, um mit Panzern und Fahrzeugen - unterstützt von zahlreichen Artilleriebataillonen sowie jederzeit abrufbaren Jagdbombern - die nur noch dünn und mit unzureichenden Kräften besetzen Frontlinien rechts des Rheins anzugreifen, zu durchbrechen und nach Osten vorzustoßen.

Bereits am gleichen Tag nahmen US-Einheiten Bendorf ein und drangen entlang des Rheins weiter in Richtung Vallendar und Urbar vor, um von Hillscheid kommend über Niederelbert,
Holler, Stahlhofen, Ruppenroth und Hirschberg noch bis nach Diez vorzudringen.
Parallel zu diesen Truppenbewegungen war um die Mittagszeit des 25. März.1945 eine US-Panzer-Division entlang der Autobahn bis nach Montabaur vorgedrungen.
Um 13.30 Uhr erreichten die US-Truppen aus Richtung Horressen kommend den Ortseingang von Niederelbert.

In einem seiner Kriegstagebücher beschreibt der Niederelberter Offiziersanwärter Günther Kilian eindrucksvoll die Geschehnisse.

Günther Kilian erlitt als 19-Jähriger am 8. März 1944 in Russland eine schwere Verwundung am rechten Bein, das danach wegen einer fortschreitenden Wundinfektion oberhalb des Knies amputiert werden musste.

Als Patient des Montabaurer Wehrmachtslazaretts hatte er zum Besuch seiner Eltern „Ambulatenurlaub“ erhalten. Gestützt auf zwei Unterarmkrücken stand der beinamputierte Günther Kilian in Wehrmachtsuniform an seinem Elternhaus und beobachtete den Einmarsch der US-Soldaten. Bewegt und innerlich aufgewühlt schildert er das Geschehen, seine Gefühle und Empfindungen. Mit den Worten, „Ich bin ein geschlagener Mann, der Feind in der Heimat, im eigenen Dorf“, beschreibt er seine tiefe Niedergeschlagenheit.
Mit der Übernahme des Montabaurer Lazaretts in die amerikanische Kommandogewalt war Günther Kilian US-Gefangener. Als solcher kam er in das Kriegsgefangenenlager nach Andernach.

Dort wurden tausende deutscher Soldaten unter menschenunwürdigen Bedingungen unter freiem Himmel inhaftiert: Hitze, Regen und Kälte waren sie schutzlos ausgesetzt. Sie hausten in Löchern und Behelfszelten aus Pappe und Stoff. Sanitäre Einrichtungen fehlten ebenso wie ausreichende Verpflegung oder medizinische Versorgung. 
Günther Kilian schildert fassungslos diese Situation mit den Worten: „Ehrlos, wehrlos und rechtlos sind wir geworden!“ Und tagtäglich stellt er mit seinen Kameraden die Frage: „Wann werden wir endlich entlassen?“ Am 10. Juni 1945 war es soweit, und damit enden auch die letzten Eintragungen.

Ferdi Schmitz und Willi Bode lesen am Donnerstag, den 26. März 2015, um 19.00 Uhr, 
im Saal des Pfarrheimes Niederelbert
, aus den Kriegstagebüchern von Günther Kilian und verbinden diese Lesung mit einer Schau von zahlreichen Fotodokumenten.
Zu der Veranstaltung des Wander-und Kulturvereins Niederelbert sind nicht nur die 
Einwohner von Niederelbert eingeladen, sondern ebenso alle Interessierte aus nah und fern.